Donnerstag, 14. Mai 2015

Eine Frage auf der Origami Deutschland Convention 2015

Am ersten Maiwochenende war es endlich wieder so weit, das Jahrestreffen des Deutschen Origamivereins wurde in Bonn abgehalten. Es waren drei wunderbare Tage voll von Papier, Falten und alte sowie neue Freunde treffen.
Von vorangegangenen Treffen hatte ich bereits ausführlich berichtet, was dort geschehen war und wie diese Zusammenkünfte generell aussehen. Daher habe ich mich dieses Mal eine einzige Frage überlegt, die ich ein paar anwesenden Faltern stellte. Gemessen an den 230 Teilnehmern habe ich zwar nur sehr wenige Menschen befragt, dennoch sind einige wunderschöne Geschichten zusammengekommen. Aber lest einfach selbst:
Bonn, 2. Mai 2015, ich habe die Hilli Zenz zum Falten
Die Frage: 
Welches war das erste Origamibuch, das du besessen hast?

Ilan Garibis erstes Origami  Buch -
Ilan Garibis first Origami book
Ilans erstes Buch war ‚Origami 1‘ von Robert Harbin. Alles begann mit einem Flügel schlagenden Vogel, den ein Klassenkamerad zur Schule mitbrachte, als Ilan elf Jahre alt war. Er kannte durchaus traditionelles Origami, doch dieses Modell war für ihn neu und der Bewegungsmechanismus faszinierte ihn.

Gemeinsam mit seiner Mutter ging Ilan in einen Laden und sie kauften ein Origami Buch, in dem sich die Anleitung des besagten Vogels befand. Für einen Zeitraum von 18 Jahren war dies die einzige Quelle von Origami Modellen für ihn. Nichtsdestotrotz wusste er, dass es noch mehr geben musste, denn er hatte die Hebräische Version von ‚Origami 1‘, auf dessen Titel sich ein Einhorn befand. Das Besondere daran war, dass eine Anleitung für dieses Modell im Buch fehlte.
Im Alter von 19 Jahren reiste Ilan schließlich nach Singapur und besuchte dort einen Buchladen. Die große Zahl an Origamibüchern begeisterte ihn und die Zeit mit nur einer Origami Quelle war vorbei.

Carlos Natan López Nazario (Origami Natan)

Natans Geschichte ist kurz, aber ich denke es gibt einige, die ganz ganz ähnlich sind. Sein erstes Buch war eine Sammlung von Origami Modellen. Er kann sich leider nicht mehr an den Titel erinnern, doch weiß er noch, dass darin ein Sonobe Modul zu finden war. Natan war bereits 20 Jahre alt, als sein Mutter die Idee hatte, ihm ein Origami Buch zu schenken und scheinbar kennt sie ihren Sohn sehr gut. Diese erste Sammlung mit Origami Anleitungen markiert den Anfang eines wunderbaren Hobbys für ihn. 


Yureikos erstes Origami Buch -
Yureikos first Origami book
Melina Hermsen (Yureiko)
Melina faltet quasi seit ihrer Geburt Papier und so bekam sie auch ihr erstes eigenes Origami Buch relativ früh. Von einer Nachbarin bekam sie im Alter von drei oder vier Jahren das Buch ‚Kami to Origami‘ von Kunihiko Kasahara geschenkt, das diese es nicht mehr brauchte. Das Besondere an dem Buch ist, dass es aus dem Geburtsjahr Melinas stammt.
Bis in das Jahr 2007 war es die einzige Bezugsquelle von Origami Modellen für sie. Bis dahin war es bereits sehr lädiert und fiel fast auseinander, weil es so häufig verwendet wurde. Kein Wunder, dass Melina es daher drei Jahre später noch einmal kaufte, als sie ihren „Wegbegleiter“ in Sachen Origami in einer Neuauflage entdeckte. Heute nutzen vor allem ihre Schüler das Buch, um das Falten zu erlernen, denn es deckt fast alle Bereiche von Origami ab, von Tieren, über Actionmodelle bis hin zu Modularem Origami und Kirigami.

Dirk Eisner (Eisfold

Während andere erst einmal ihre Nische im Origami finden mussten, schein Dirk sofort gewusst zu haben, was er will. Während eines Aufenthalts in London im Jahre 2000 entdeckte er im Shop des Science Museums das Buch ‚Mathematical Origami‘ von David Mitchell. Er sah es, kaufte es und begann noch im Hotel damit, die ersten Modelle zu falten.
An sich wusste Dirk schon, was Origami ist, doch ein derartiges Buch hatte er noch nie gesehen. Es war deshalb nicht nur die Neugier am Falten allein, sondern auch sein generelles Interesse an der Mathematik, die ihn dazu motivierten, genau dieses Buch zu kaufen. Danach ging es in diesem Bereich weiter. Dirk suchte im Internet nach Informationen und stieß recht schnell auf die Arbeit von Tom Hull, der recht ähnliche Modelle faltete. Schließlich brachte ihn die Begeisterung so weit, dass er begann eigene Werke zu entwickeln, die – wie konnte es auch anders sein – vor allem geometrische Körper sind.

Franzis erstes Origami Buch -
Franzis first Origami book
Franziska Schwarz (Flämingfalter junior)
Für Franziska kam der Gedanke, sich Origami Bücher zu wünschen oder zu kaufen, lange Zeit nicht auf, denn sie brauchte nur zum Regal ihrer Mutter gehen und sich dort ein Buch aussuchen. Sie faltete gern und fand vor allem Gefallen an modularem Origami, vor allem das Sonobe Modul hatte es ihr angetan. So kam es dann, dass sie im Jahr 2009 von dem Buch ‚Modular Origami Polyhedra‘ von Lewis Simon, Bennett Arnstein und Rona Gurkewitz hörte. Darin sollten sich viele Variationen ihres Lieblingsmodells befinden und schließlich entstand erstmals der Wunsch ein eigenes Origami Buch zu besitzen. Und so wie es aussieht, war die Entscheidung goldrichtig gewesen, denn sie hat tatsächlich jedes Stück Origami aus dieser Publikation nachgefaltet.

Helma van der Linde
Um ehrlich zu sein, dies ist meine Lieblingsgeschichte, wahrscheinlich wegen der leicht ironischen Elemente. Helmas erstes Origami Buch war ‚Origami Step by Step‘ von Robert Harbin. Sie kaufte es in den späten 1980er Jahren, als sie während einer Ausbildung in England war. Die Entscheidung, in dieses Buch zu investieren war gefallen, als sie beim Durchblättern einen schönen Schwan entdeckte.
Helmas Schwan von Patricia Crawford, gefaltet
von Ondrej and Radim Cibulka - 
Helmas swan by Patricia Crawford, Folded 
by Ondrej and Radim Cibulka
Helma wollte den Vogel unbedingt falten, doch da es ein komplexes Modell ist und sie erst mit Origami anfing, konnte sie es nicht fertigstellen. Für zehn Jahre war es das dann mit Papier Falten gewesen.
Zu unserem Glück kam Helma zum Origami zurück, als sie 1996 schwanger war. Zur Ankunft des Babys wollte sie die Karten selbst machen und vorne drauf sollte ein gefalteter Storch kommen. Dieses Mal holte sie sich professionelle Hilfe vom Niederländischen Origamiverein. Sie besuchte eine Frau und nach langer Suche in deren Büchersammlung kaufte sie ihr zweites Origamibuch, eines mit einem Storch darin. Aber noch immer war Helma ein Anfänger und der Storch war nicht für sie gemacht. Der Unterschied dieses Mal war aber, dass sie jemanden gefunden hatte, der ihr helfen konnte, die Modelle zu falten. Die beiden Frauen wurden Freunde, Helma trat der Origami Sociëteit Nederland bei und auf die Babykarten kam ein einfacher Kranich drauf.

Daniel Chang (Mitanei)
Daniel wurde durch seinen Cousin auf das Thema Origami gebracht. Er war so begeistert davon, dass ihm seine Tante beim nächsten Besuch ein Origamibuch aus ihrem Heimatland, den USA mitbrachte. An den Titel erinnert Daniel sich zwar nicht mehr, aber er weiß noch, dass es ein amerikanisches Buch war, Schachteln, einen Kranich und ein Gesicht enthielt. Die Leidenschaft war auf jeden Fall entfacht und nach ca. 2 Jahren kam bereits das nächste Buch in die Sammlung.

Echse von Jens Kober, gefaltet von Gonzalo García Calvo -
Lizard by Jens Kober, folded by Gonzalo García Calvo
Jens Kober
Jens hat eine Entwicklung durchgemacht, die glaube ich gar nicht so selten ist. Er hatte als Kind schon immer gern gebastelt und so erhielt er dann auch im Alter von acht Jahren von seinen Eltern das Buch ‚Hobby Origami‘ von Zülal Aytüre-Scheele plus Papier als Geschenk. Es gefiel ihm und so bekam er auch noch die nachfolgenden Bände der Autorin.
Mit 12 Jahren kam dann aber der Bruch, die Bücher blieben im Regal und andere Dinge nahmen ihren Platz in Jens‘ Leben ein. Doch die Falter in der Welt legten keine Pause ein. Als Jens dann im Jahr 2010 im Internet nach Origami suchte, um ein Geburtstagsgeschenk zu dekorieren, war er begeistert, wie viel es noch zu Origami gab und er kam zurück zum Papierfalten.

Ilses neuestes Bild auf Flickr - Ilses newest photo at flickr
Die gute Seele von Flickr, Esli, hat erst 2010 zu Origami gefunden. Auslöser waren der Ruhestand, mit dem mehr Zeit zur Verfügung stand, und ein Geschenk, das mit einem Sonobewürfel dekorierte war, dies brachte das Interesse. Ilse machte sich schlau und entdeckte Origamischachteln für sich, diese sind wunderschön und auch noch praktisch. Dementsprechend war dann auch ihr erstes Buch eines mit Schachteln und natürlich von der Meisterin Tomoko Fuse.
Auch hier folgten viele weitere Bücher, der Account bei Flickr, die Mitgliedschaft bei Origami Deutschland. Es blieb auch nicht bei Schachteln, Ilse stellt sich immer wieder neuen Herausforderungen, derzeit sind es komplexere Tiere und Tessellations.

So, das war es, mehr Leute habe ich nich befragt. Repräsentativ ist es damit auf keinen Fall, aber es bietet eventuell eine kleine Auswahl an Origamigeschichten. Im Nachhinein fiel mir allerdings auf, dass ich keinen jüngeren Origamifalter befragt habe. Alle Befragten haben Bücher als Ursprung ihrer Leidenschaft, außer Ilse, die erst sehr spät angefangen hat. Die Theorie wäre also, dass die „Internet Generation“ sich zunächst über die digitalen Medien mit Anleitungen versorgt hat und dann später erst nach ganz spezieller Literatur suchte. Vielleicht gibt es auch jene, die gar kein Buch haben?
Erzählt mir einfach Eure Geschichte in den Kommentaren und vielleicht wird dann einiges klarer.

During the first weekend of May the annual meeting of Origami Germany took place in Bonn. It’s been three wonderful days full of paper, folding and meeting old as well as new friends.
I wrote about former conventions and what we are doing there in detail on this blog. This time I chose to pose one single question to some of the present folders. Compared to the number of 230 people at the meeting, I asked quite a few people, but all together these are some very beautiful stories. Well, just have a look by yourself:
Folding together with special guest Mark Bolitho
The question: 
Which was the first Origami book, that you owned?

Ilan Garibi (Israel)
Ilans first book was ‘Origami 1’ by Robert Harbin. Everything started with a flapping bird a classmate brought to school when Ilan was eleven years old. He knew about some traditional Origami, but this model was new to him and he was fascinated about the mechanism that made it move.
Together with his mom Ilan went to a shop and bought an Origami book with the instruction for this special bird in it. For 18 years this was the only resource of Origami models to him. Nevertheless he knew there had to be more, because he had the Hebrew version of ‘Origami1’, with a unicorn on the cover. The funny thing about it is that there was no instruction for a unicorn in the book. 
At the age of 19 Ilan travelled to Singapore and went to book store there. The large number of Origami books amazed him and no longer had only one source of diagrams.

Natan...
Carlos Natan López Nazario (Origami Natan)
Natans story is short, but I think there are many like these. His first book was a collection of Origami models. He does not remember, what the title of it was, but he knows that there was a Sonobe Unit in it. Natan was already 20 years old when his mother had the idea to give him an Origami book as a present and it looks like she knows her son very well. This first collection of Origami instructions marked the beginning of a great hobby to him.

Melina Hermsen (Yureiko

It seems as if Melina was folding paper since she was born and so she received her first Origami book quite early. At the age of three or four a neighbor gave her the book ‘Kami to Origami’ by Kunihiko Kasahra as a present, because she didn’t need it anymore. The fun fact about the book is that it was published in the year of Melinas birth.
Until 2007 this was the only source of Origami models to her. By the time the book was almost falling apart, because it had been used that much. No wonder that Melina bought the new edition of her “Origami companion”, when she found it three years later. Nowadays her students use the book to learn how to fold as there are so many techniques in it. There are animals and action models, Modular Origami and even Kirigami in there.

Dirks erstes Origami Buch -
Dirks first Origami book
Dirk Eisner (Eisfold)
While others had to find their niche in Origami, it looks as if Dirk always knew what he wanted. During a journey to London in the year 2000 he stumbled over the book ‘Mathematical Origami’ by David Mitchell in the shop of the Science Museum. He saw it, he bought it and started to fold models out of it as soon as he was back in the hotel.
All in all Dirk already knew what Origami is, but he had never seen a book like this before. It was not only curiosity in folding something, but also the interest in Math that motivated him to buy this special book. After this event he went on concentrating on this topic. Dirk looked up some information in the internet and found the work by Tom Hull, who does quite similar things. Finally the fascination about Origami was that high that he designed his own models – most of all geometric shapes.

Franziska Schwarz (Flämingfalter junior)
To Franziska the idea of buying an Origami book didn’t occur for a long time, because she only had to go to the shelf of her mother and take one out. She liked folding and she took a pleasure in doing Modular Origami, especially the Sonobe unit she appreciated. Finally she heard about the book ‘Modular Origami Polyhedra‘  by Lewis Simon, Bennett Arnstein and Rona Gurkewitz in 2009. It was said that there are many variations of the Sonobe in it and for the first time there was the desire to own an Origami book. And it looks as if the decision was right, because she folded every piece of Origami that was shown in this publication.

Helmas erstes Origami Buch -
Helmas first Origami book
Helma van der Linde
To be honest this is my favorite story because of the slightly ironic parts in it. Helmas first Origami book was ‘Origami Step by Step’ by Robert Harbin. She bought it in the late 1980s, during an apprenticeship in England. The decision to spend money on it was made when she saw a nice swan in the book while flipping through the pages. Helma really wanted to fold the bird, but as it is a complex model and she was just starting to do Origami, she couldn’t finish it. So for about ten years that was it for paper folding.
Lucky us Helma came back to Origami when she was pregnant in 1996. She had the idea to make the announcement card on her own and put a folded stork on the cover. This time she contacted a professional from the Dutch Origami Society. She visited the woman and after a long time of searching through her collection of books, bought her second book, one with a stork in it. But still Helma was just a beginner and the stork was not made for her. The difference this time was  that she could get some help folding all these models. The two women became friends, Helma joined the Origami Sociëteit Nederland and on the announcement cards she put a simple crane.

Daniel Chang (Mitanei

Daniel was introduced to the topic of Origami by his cousin. He was so enthusiastic about it that his aunt brought him an Origami book from the USA, her home country, when they visited him the next time. Daniel can’t remember the title anymore, but he still knows that it was an American book with some boxes, a crane and a face in it. It awoke a passion and already two years later he got a second book for his collection.

Jens' erstes Origami Buch -
Jens' first Origami book
Jens Kober
I think Jens‘ story is one of those you hear a bit more often. As a kid he had much fun to be creative and so his parents gave him the book ‘Hobby Origami’ by Zülal Aytüre-Scheele plus some paper as a present when he was eight. He liked it and so he also got the two following books by the author.
At the age of 12 there was a cut, the books stayed on the shelf and other things were more important. But the folders in world didn’t take a break. When in 2010 Jens did a research on Origami, because he was planning on a special decoration for a birthday present, he was amazed how much more there was about Origami and he came back to folding paper.

The kind soul at Flickr, Esli, discovered Origami in 2010. It started with her retirement, which came along with more free time, and a present on with a Sonobe model attached on it, this made her curious about paper folding. Ilse informed herself and found Origami boxes as a great introduction to the hobby, as they are both beautiful and useful. According to this her first book was one with boxes, of course by the master Tomoko Fuse.
Again this was the beginning, followed by many other books, a Flickr account, a membership at Origami Deutschland. She even didn’t only stick to boxes, Ilse is challenging herself on and on again, these days she is working on more complex animals and tessellation.

So, that’s it, I haven’t asked more people. It is not representative, but at least it’s a small collection of Origami stories. In the aftermath I noticed that I haven’t asked younger folders. The origin of their enthusiasm of all the interviewed people were books, except Ilse who started much more lately. The theory could be that the “World Wide Web Generation” found their instructions in digital medea for the first years and purchased more specialized books later. Maybe there are also those who don’t own any book at all?
Just tell me your story in the comments and possibly the picture becomes clearer.

Kommentare:

  1. I guess I'm a shining example of the World Wide Web Generation. :D I started folding when I was 14 in 2009 by simply typing "origami" into Google search. Free diagrams were enough to get me interested. Later, I visited a local library and borrowed some books but they were mostly all about how to fold a crane and a lily nothing more intermediate. So I didn't have a book until Christmas Eve in 2011 when I asked my family to buy me Eric Gjerde's Origami Tessellations. I actually had to wait a little bit longer because I had a splint on my hand... Nowadays, apart from Czech and German convention books, I only possess two additional books - Tomoko Fuse's Spirals and the first book made by Czechs that wasn't translated from another language. Unfortunately, I guess this lack of books won't change any time soon. With everything being accessible via internet I simply grew up not needing them and my field of interest too specified.

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